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Nachlese re:publica 2015

Die #rp15 eröffnete wie ein Klassentreffen: „Toll, dass ihr da seid!“ war die Message und dass mit Sascha Lobo und Christopher Lauer zwei Klassensprecher fehlten, wurde kaum erwähnt. Das Thema „finding europe“ war weit genug gefasst, um den Spagat der Teilnehmer zwischen Modebloggerinnen und Nerds zu leisten. Und nicht nur Churchies entdecken: re:publica ist ein bisschen wie Kirchentag.

The system is broken – and that’s the good news
Da passt es, wenn einer der alten Propheten der erste Sprecher ist. Ethan Zuckerman übernimmt diese Rolle. Vor 20 Jahren habe man geglaubt, Monopole und Zensur würden verschwinden, Verschlüsselung würde jedermanns Privatsphäre sichern, man werde sich online neu erfinden können, neue Formen des Zusammenlebens würden entstehen … “Wahnsinn, an was für einen Scheiß wir früher geglaubt haben“ war seine Erkenntnis und seine Analyse war ernüchternd. Das Vertrauen in Institutionen sinke, die Wahlbeteiligung auch. Und von den vielen hilfreichen Tools der Bürgerbeteiligung würden wenige genutzt. Die Aufgabe jetzt sei die alte: “Die Herausforderung für unsere Generation ist es, eine bessere Welt zu erschaffen.”
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Die Vermessung der Medienwelt
… analysierte die Auswirkungen der Digitalisierung. Die Botschaft von Prof. Dr. Harald Welzer: „Konstitutiv für Demokratie ist die Privatheit. Totalitäre Staaten haben als erste Maßnahme immer erst die Privatsphäre aufgehoben. Heute muss man die Daten nur erheben.“ Lebten wir also nicht in einer Demokratie, hätte eine totalitäre Staatsform alle Möglichkeiten.  Auf dem Podium Christoph Keese, Prof. Dr. Harald Welzer, Brigitte Zypries, Jo Schück, Björn Böhning und wenig Neues. Aber als Einführung in das Thema brauchbar.
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Schwarmdummheit!
Sehr gelobt wurde „Schwarmdummheit!“ mit Gunter Dueck. Ich kanns (noch nicht) beurteilen. Seine These: Unternehmen, Teams oder Parteifraktionen sind ein großes System von Menschen, die man ja bei der Einstellung oder Wahl für richtig gut hielt. Wie kommt es dann, dass sich diese vielen intelligenten Menschen aus rasendem Alltagsstress heraus in Meetings begeben und dort ineffektiv tonnenvoll Zeit verschwenden, sodass viele Menschen alles rund um Zusammenarbeit, Abstimmungen und Teamarbeit als ausgesprochen quälend erfahren?
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The IS in us
Warum ist der IS in seiner Medienstrategie so erfolgreich? Sascha Stoltenow und Thomas Wiegold beantworteten das in „The IS in us – was wir durch terroristische Kommunikationsstrategien über uns selbst erfahren“.
Das Erschreckende: Der IS arbeitet hochprofessionell und nutzt Vorlagen anderer. Ob Werbung für Computerspiele oder Imagefilme der Streitkräfte, die Bildsprache ist die gleiche. Nur der Inhalt ist ein anderer. Der IS spricht also ähnliche Zielgruppen an wie Spielehersteller oder Militärs und die Medienstrategen des IS nutzen die Bildsprache anderer. Beispiel: Die Häftlinge in Guantanamo tragen orange Overalls und knien vor ihren schwarz gekleideten Bewachern auf dem Boden. Die 21 gefangen genommenen jordanischen Christen knien am Strand des Mittelmeers vor ihren Schlächtern. Die Botschaft: Orange sind die Opfer. Die Täter waren früher mal Opfer und es ist alles näher als du denkst. Was man daraus lernen kann: Die Bildsprache ist manchmal mächtiger als der Inhalt der Botschaft.
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Thema YouTube
Die Plattform war auf der #rp15 Thema bei vielen Speakern. Bei „Making Money on YouTube” erzählten Le Floid und andere YouTuber von ihrem “Berufsalltag”. Ist es Talent oder Fleiß, die richtige Idee oder gute Unterstützung, die zum Erfolg führt? „Alles“ war der Tenor und dann auch noch Geduld. Der Ertrag dieses Podiums: Wer meint, dass er mit YouTube mal schnell Geld machen und Erfolg haben kann, ist auf dem Holzweg. YouTube ist Arbeit.
> (Video ist leider noch nicht online)
Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema „How to Mobilize Supporters with Youtube Videos?

Social-Media-Recht
Ein Klassiker auf der RP ist der Jahresrückblick Social-Media-Recht von Thorsten Feldmann und Henning Krieg: die Rechtsfälle der vergangenen zwölf Monate. Die Themen: Urheberrecht / Fotorecht, Schleichwerbung, Instagram, WhatsApp, Newsletter, Impressum und Datenschutz. Wer hier dabei ist, verpasst nix.
> hier gibts Folien und Audio

Geteiltes Leid ist halbes Leid?
Einen Versuch einer (Medien-)Ethik in der Digitalen Sphäre wagten Friedemann Karig, Bernhard Pörksen, Stefan Niggemeier und Petra Grimm. Was machen die vielen Posts mit uns und mit unserer Umwelt? Die Antworten erschienen mir zu schwach. Aber es gibt zu diesem Thema nicht all zu viel. Wer sich da eindenken will, findet einen guten Zugang.
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Zuletzt Unterhaltsames

Mindestens an einem Nachmittag war die #rp15 einfach nur unterhaltend: Mit seinem Vortrag „Blue Dot Mission – Sechs Monate Leben und Arbeiten auf der ISS“ kam Astronaut Alexander Gerst auf die Mainstage … Frauenschwarm, Entertainer, Wissenschaftler, Gerst war die gelungene Mischung. „Was passiert mit der Wäsche auf der ISS?“ Hier erfahren Sie es. Ansehen lohnt sich.
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Sehr unterhaltsam auch dieses Jahr wieder Journelle, die mit „Fremd gehen immer nur die anderen“  Liebe und Beziehung in Zeiten des Internets beleuchtet. Auf Online-Partnerbörsen kann man die Liebe des Lebens, einen Weggefährten für kurze Zeit, eine Affäre oder auch den einen oder anderen kolossalen Reinfall kennenlernen. Aber das Internet ist nicht nur eine weitere Form, mit bisher Unbekannten in Kontakt zu treten. Es ändert auch die Art, wie wir Beziehung wahrnehmen und leben. Aber es betrifft immer nur andere!
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Vergnügliche Abendveranstaltung war dann „Wir hatten ja nix – und das haben wir mitgebracht: Das kleine Technikmuseum“. Tamagochis und Walkmänner, einst brandaktuelle Technik, die dann doch kein Trend wurde. Vermutlich hat da jeder von uns so seine „Leichen“ in der Schublade. Der Blog techniktagebuch.tumblr.com erzählt davon. Nette Beispiele.
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Soweit von der #rp15. Mal sehen ob es auf der #rp16 auch mal re:ligion als Thema und Angebot gibt. Angedacht haben wir es schon mal.

 

Gottesdienste streamen – Links und Infos

Folgende Infos habe ich zusammengestellt für eine Anfrage nach “Gottesdienst streamen”

  • Normal oder inszeniert

Es klingt banal: Normale Gottesdienste sind Veranstaltungen, die für anwesende Menschen konzipiert sind. Die „Bildauswahl“ entscheidet jeder und jede Gottesdienstteilnehmerin selbst. Der Ton wird bestimmt durch individuelle Hörfähigkeit und oft durch technische Hilfsmittel wie Lautsprecheranlagen und Induktionsschleifen. Dabei kann das menschliche Ohr mit einem wesentlich größeren dynamischen Bereich arbeiten als Mikrophone.

Medial vermittelte Gottesdienste müssen inszeniert werden (vergleiche auch Fernsehgottesdienste). Bild und Ton müssen ausgewählt und gemischt werden. Nur ein Laptop in der Kirche, das für die gesamte Gottesdienstdauer denselben Bildausschnitt und eine automatische Tonaussteuerung bietet, setzt beim Consumer sehr großes Interesse voraus. Normale User schalten da ab. Sind aber Gottesdienst oder Event faszinierend, reicht auch einfache Technik aus.

  • Live oder Konserve

Der Wunsch, Gottesdienste live zu streamen folgt oft aus dem Wunsch, „mit unserem Gottesdienst mehr Menschen zu erreichen“. Warum das aber live geschehen muss, wird selten begründet. Daher sollte man sich die Frage nach dem zu erreichenden Ziel genau stellen:

Ich will die Reichweite der Gottesdienste erhöhen! Dieses Ziel verlangt nicht unbedingt nach einer Live-Übertragung. Ein mit mehreren Kameras aufgezeichneter Gottesdienst, der sorgfältig nachproduziert wird, kann besser sein als ein Live-Event mit Live-Fehlern. Technisch ist Post-Produktion wesentlich einfacher als der Live-Stream! Zusätzliches Bildmaterial kann z.B. während der Predigt eingeschnitten werden. Längen oder Umbaupausen können geschnitten werden.

Ich will User außerhalb der Kirche beteiligen! Nur wenn ich das will, macht Live-Stream Sinn. Ein Stream ohne Einbindung zusätzlicher Online-Gottesdienst-Teilnehmer ist eine verschenkte Gelegenheit. Der Live-chat zum Gottesdienst oder eine Beteiligung via Twitter kann eine Bereicherung für Gottesdienste sein. Auf der anderen Seite: Ist für eine Beteiligung der User außerhalb der Kirche das Bild zwingend notwendig oder reicht auch ein Audiostream?

Ich will „dabei“ sein! Oft ist der Wunsch, technisch „dabei“ und „trendy“ zu sein Auslöser für Gottesdienst-Streams. Hier bietet sich an, einfache Techniken zu wählen und nach einer Anzahl von durchgeführten Streams genau zu analysieren, was die Aktion gebracht hat.

  • Technik

Übertragungen stellen an Bild und Ton (!) Herausforderungen. Der Start ist möglich mit einem Laptop und Webcam. Bei mehreren Kameras und Bildmischung (Z.B. über VidBlaster) steigt der personelle Aufwand. Zur Verbesserung des Tons (Ton ist bei Video das Wichtigste!) lohnt es sich fast immer, mit Hilfe eines kleinen Mischpults mehrere Mikrofone anzuschließen. Wenn über Twitter und Facebook auch den Rückkanal für die Diskussion aufgemacht haben, brauchte es ein paar Mitarbeiter mehr, um das Online-Geschehen zu beobachten und ggf. Reaktionen in den Event einzubringen.

Verschiedene Anbieter leisten Streaming. Eine schnelle Internetverbindung in der Kirche (!) ist vorausgesetzt, LAN ist dabei weniger störanfällig als WLAN.

Beispiel für Internetanbieter
new.livestream.com/broadcast

Beispiel für Agenturen
www.bildwerk-medien.de

Die einfachste und schnellste Lösung ist ein Google+ Hangout on air. Die Bildqualität ist einfach, die Bedienung aber auch. Das so gestreamte Video steht nach dem Live-Streaming automatisch auf YouTube. Dazu muss der YouTube-Kanal zuvor korrekt mit der Google+-Seite verbunden worden sein. (Anleitung dazu auf der Seite von Google+)

  • Beispiele für gestreamte Gottesdienste

www.livestream.com/jugendkirchehannover
(Nach Angaben der Verantwortlichen Hoher technischer Aufwand bei mäßigem Erfolg)

Podcasts der ICF München: www.icf-muenchen.de (Hochprofessionelle Freikirche)

Sonntäglicher Stream der Dalziel St Andrew’s Parish Church (in der Nähe von Edinburgh)
www.dalzielstandrews.org.uk (Mit bis zu vier Technikern umgesetzt! Alle Gottesdienst auch auf Youtube www.youtube.com/dalzielstandrews)

Die evangelische Pfarrgemeinde Wien Ottakring, streamt immer am ersten Samstag im Monat ihre Andacht live ins Internet. www.online-andacht.at (Technische Umsetzung mit VidBlaster)

  • Alternativen

Twittergottesdienst

Twittergottesdienste sind Gottesdienste aufgeteilt auf einzelne Tweets. Sie ermöglichen die (nahezu) Echtzeitteilnahme und die Beteiligung der User durch Favorisieren, Retweeten und eigene Tweets zum Hashtag der Veranstatung. Vorteil der Twittergottesdienste ist die schon vorhandene Technik und der geringe Aufwand. Nachteil ist die mediale Beschränkung.

Beispiel für Twittergottesdienst: www.citykirche-schweinfurt.de/gemeinschaft-eiligen

Regelmäßige Angebote: #twomplet (Die Twitter-Komplet jeden Tag ab 21 Uhr)

Gottesdienste auf YouTube

Wie oben schon erwähnt sollte die PostProduktion eines Gottesdienstes als Alternative zum Stream bedacht werden. Mehrere Bild- und Audiodateien können mittels Schnittprogramm (z.B. Adobe Premiere Elements) leicht zu einem Gottesdienst verarbeitet werden und upgeloadet werden.

Gottesdienste auf Soundcloud

Auch Nur-Audio-Gottesdienste oder Teile wie Predigt oder Musiken lassen sich online stellen. Die AudioPlattform Soundcloud bietet sich hier an.

  • Danke

Für Tipps aus der Facebook-Gruppe „Kirche und Social Media“ an: Tomas Porwol, Irmi Bl, Heiko Kuschel, Alexander Ebel, Ulrich Seiler, Philipp Mertens, Maria Herrmann und Ralf Simon

Nachlese Re Publica 2014

Von 6. bis 8. Mai fand in Berlin die Re Publica 14 statt, ein Füllhorn an Ideen und Eindrücken. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich ein paar der Beiträge hier empfehlen. Alle Vorträge der #rp14 sind auf YouTube zu sehen.

Sascha Lobo zur Lage der Nation – ein Apell zum Kampf um die Freiheit des Internets, leidenschaftlich, politisch und provokant. Eingeflochten in den Vortrag ist auch die Heise-Timeline zum NSA-Skandal. Schon die ist es wert, immer wieder gelesen zu werden.

Einen klugen Beitrag lieferten Moritz Hoffmann, Charlotte Jahnz  zum Twittern von Geschichtsereignissen. Sie vertwitterten unter @9nov38 die Ereignisse um die Reichsprogromnacht. Ähnliche Aktionen liefen auch schon zu anderen Geschichtsereignissen. Ich plane einen Tweet zum Reformationstag 2017.

Rechtshilfe brachten Thorsten Feldmann und Henning Krieg auf die Bühne. In ihrem Saisonrückblick 2014 zu Social Media & Recht gingen sie auf alle gängigen Rechtsfragen in Sachen Social Media ein. Fast ein Pflichtprogramm.

In Bildmedien der Zukunft wirft Harald Klinke einen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft der Wahrnehmung und den Gebrauch von Bildern. Wichtig für alle, die sich mit Bildsprache beschäftigen.

In Todessternsünden versucht Laura Sophie Dornheim “Sünde” neu zu definieren. Ein Beitrag von außerhalb des Glaubens und doch irgendwie religiös. Das Ende könnte man sich schenken aber die Konkretionen sind sehr interessant.

Und sind alle im Netz? Nein, es gibt einen Teil der Gesellschaft, der ohne Internet lebt, auf Zeit oder immer. Doch wieso? In “Into the Wild? Nicht mit mir!” gehen Forscherinnen der Frage nach, warum Menschen das Netz (oder Teile davon) nicht nutzen. Für kirchliche Arbeit nützlich.

Und zuletzt: In seinen “Pastorenstückchen” formulierte die Areopag-Rede des Paulus nach der Re Publica neu. So geht digitale Theologie.